Landluft als Landarzt schnuppern

Was gegen den Ärztemangel unternommen wird
  • Ein Gespräch mit dem Hausarzt vor Ort – nicht selbstverständlich für jeden. Foto: pixabay

Viele Landärzte gehen in den kommenden Jahren in Rente und geben ihre Praxen auf. Nachfolger: Fehlanzeige. Wie wird Medizinstudenten der Beruf des Landarzts schmackhaft gemacht? Wie viele unbesetzte Arztstellen gibt’s im Ostalbkreis?

Ostalbkreis. Karriere in einer großen Klinik machen, vielleicht sogar Chefarzt werden – der Traum vieler Studenten nach ihrem Medizinstudium. Eine Landarztpraxis eröffnen kommt für die meisten dagegen eher nicht in Frage. Die ärztliche Versorgung auf dem Land wird daher immer schwerer. Das baden-württembergische Sozialministerium will etwas gegen den Ärztemangel unternehmen und startete einige Projekte.

100 Ärzte finanziell unterstützt

So zum Beispiel das Landärzteprogramm. Das Prinzip ist folgendes: Ein Hausarzt erhält bis zu 30.000 Euro Landesförderung, wenn er sich in Baden-Württemberg in einer ländlichen Gemeinde niederlässt. „100 Ärzte wurden seit 2012 dadurch finanziell unterstützt“, heißt es in einer Pressemitteilung des Sozialministeriums.

Aus dem Ostalbkreis gab es vor drei Jahren Anträge aus Heubach, Kirchheim am Ries, Lorch, Neresheim und Waldstetten, wie Claudia Krüger, Pressesprecherin des Amts für Integration und Soziales, sagt. „Diese wurden abgelehnt. Die Orte lagen meist nicht im Fördergebiet oder der Versorgungsgrad war zum Zeitpunkt der Antragstellung zu hoch.“ Ein Blick auf die unbesetzten Arztstellen im Ostalbkreis: In Schwäbisch Gmünd sind zur Zeit 2,5 Hausarztstellen unbesetzt, in Aalen 3,5 und in Ellwangen 5. Diese Zahlen meldet die Kassenärztliche Vereinigung.

Der Arzt vor Ort

Das Problem mit unbesetzten Arztstellen wird in der Zukunft immer größer: „Mehr als 1360 Hausärzte sind älter als 65 Jahre“, sagt Dr. Johannes Fechner von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg. „In den kommenden Jahren erwarten wir, dass etwa 500 Hausarztpraxen nicht nachbesetzt werden können“, sagt Fechners Kollege Nobert Metke.

Lösen sollen dieses Problem die Medizinstudenten. Ihnen soll der Beruf des Hausarztes schmackhaft gemacht werden. Jüngst startete ein entsprechendes Stipendienprogramm des Ministeriums für Soziales und Integration. „Medizinstudierende, die sich verpflichten, nach ihrem Studium im ländlichen Raum tätig zu werden, erhalten ein Stipendium“, erklärt Winfried Mack, Landtagsabgeordneter der CDU. 300.000 Euro stelle die Landesregierung dafür zur Verfügung, wie es in einer Pressemitteilung des Ministeriums heißt. „Die monatliche Förderung beträgt pro Antragsteller 300 Euro für die Dauer von maximal 24 Monaten.“ Es sei wichtig, dass die Patienten auch künftig einen Hausarzt vor Ort finden, sagt Mack.

Und: „Die Sicherung des Ärztenachwuchses in unserem Land ist eine Zukunftsaufgabe.“

Das Hausarztleben hat seine Vorteile

Um die Vorteile eines Hausarztlebens zu zeigen, gibt es ein weiteres Programm. Das Projekt „Land Arzt Leben Lieben“ wurde vom Hausärzteverband in Baden-Württemberg, der Akademie ländlicher Raum, dem Gemeinde-, Städte- und dem Landkreistag Baden-Württemberg ins Leben gerufen. Die daran teilnehmenden Studenten und Ärzte besuchen Landarztpraxen, kommen dort mit den Ärzten vor Ort ins Gespräch und lernen so das Leben auf dem Land kennen.

„Der Beruf des Hausarztes ist weitaus attraktiver als sein Ruf“, betont Manfred Lucha, baden-württembergischer Minister für Integration und Soziales.

Junge Ärzte haben hohe Anforderungen an ihren Beruf: Selbstbestimmung, Teamarbeit, planbare Arbeitszeiten und flexible Arbeitsmodelle, wie Dr. Berthold Dietsche sagt. „Die Allgemeinmedizin kann diese Wünsche erfüllen“, sagt der Vorsitzende des Hausärzteverbands weiter. „Jetzt müssen wir das dem Nachwuchs zeigen.“ maro

© Gmünder Anzeiger 15.05.2018 16:06
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