Stärkste Gewitter seit zwei Jahren

Lorch am schwersten betroffen – Glück im Unglück, kein Mensch verletzt
  • Die B29 bei Lorch war vom Schlamm überflutet.
    Fotos:gt/sp
  • Die Wassermassen schossen am Montag aus den Gullydeckeln.

Heftige Gewitter gab es am Montagabend im Ostalbkreis: In Lorch Land unter, in Aalen laufen Keller voll, Ellwangen wird nur nass.

Aalen/Lorch. Überaus heftig goss es am Montagabend. So waren einige Straßen in Aalen zwischen 18 und 19.30 Uhr kaum zu befahren. Das viele Ragenwasser überschwemmte Kanäle, kam über die Gullys wieder nach oben.

40 Millimeter Regen

Von Westen her waren die Gewitter aufgezogen und brachten binnen drei Stunden teilweise die gesamte Regenmenge für den Juni (das sind zwischen 65 und 70 Millimeter), wie SchwäPo-Wettermelder Tim Abramowski am Abend aktuell berichtete. Somit war es auf der Ostalb das stärkste Gewitter seit mehr als zwei Jahren (nur Ende Mai 2016 beim schlimmen Unwetter regnete es mehr). Allein zwischen 18 und 19 Uhr kamen in Aalen rund 40 Millimeter zusammen.

Überschwemmte Straßen, vollgelaufene Keller, der Bahnverkehr teilweise eingestellt: Für Polizei, Feuerwehren und Rettungskräfte war es ein unruhiger Montagabend. Das Polizeipräsidium zählte im Zusammenhang mit dem Unwetter im Ostalbkreis rund 90 Notrufe. Zunächst war gar von „weit über 100 Norufen“ die Rede. Die meisten Notrufe hatten Feuerwehreinsätze zur Folge: Keller vollgelaufen, Straßen teilweise flussartig überschwemmt, weil die Kanalsysteme die Wassermassen nicht mehr fassen konnten. Zum Glück wurde niemand verletzt.

Schwerpunkte seien Aalen und Lorch und gewesen, „dort stand das Wasser in manchen Kellern bis zu 1,50 hoch“, so der Polizeisprecher in einer vorläufigen Bilanz am Dienstagfrüh.

Raum Lorch: 162 Feuerwehreinsätze

Allein die Feuerwehr Lorch war an 162 Stellen im Einsatz. Nahezu alle tiefergelegenen Stellen in Lorch-Innenstadt waren in dieser Zeit nicht mehr zugänglich. Und damit nicht genug: Noch am Dienstagmorgen lief ein Feuerwehreinsatz bei der VR-Bank in Lorch. Laut Polizei drangen die Regenmassen in den Keller des Gebäudes ein und fluteten auch den Heizölraum. Dort hat sich ein Öl-Wasser-Gemisch gebildet, das abgesaugt und fachmännisch entsorgt werden muss.

B29 dicht

Die B29 zwischen Lorch-Waldhausen und Lorch musste am Abend ab 19.10 Uhr wegen Überflutung und Schlammassen für den Verkehr gesperrt werden. Die Reinigungsarbeiten durch Straßenmeisterei und Feuerwehr dauerten bis gegen 23.50 Uhr. Dazu gab es drei Verkehrsunfälle, die auf das Wetter zurückzuführen waren. Zum Glück blieb es bei Blechschäden, verletzt wurde niemand. Wegen überfluteter Gleise im Raum Lorch wurde auch der Bahnverkehr auf der Remsbahn vorübergehend eingestellt. Erst gegen 22 Uhr war die Strecke dann wieder frei.

In Ellwangen goss es zwar auch wie aus Kübeln, aber die Feuerwehr musste zu keinem einzigen Einsatz ausrücken, wie der dortige Stadtbrandmeister Wolfgang Hörmann der Schwäbischen Post am Abend erleichtert bestätigen konnte. Stadt und Umland wurden nur so richtig nass.

Für den Rems-Murr-Kreis gingen im Lagezentrum der Polizei gut 20 Anrufe ein. Auch hier lag der polizeiliche Schwerpunkt an der B 29. In Höhe Plüderhausen war die Fahrbahn so stark überflutet, dass auch dieser Streckenabschnitt ab etwa 20.20 Uhr zunächst komplett und dann nach Hilfe der Weinstadter Straßenmeisterei unter vorsichtiger Fahrweise einspurig befahrbar war.

Unterführungen besser meiden

„Dass trotz der sehr vielen Einsatzstellen kein Personenschaden entstand, ist sicherlich, neben einer guten Portion Glück, dem umsichtigen Verhalten der Bevölkerung zu verdanken“, heißt es im Polizeibericht. Dennoch macht die Polizei noch einmal darauf aufmerksam, dass bei solchen Starkregenereignissen dringend Unterführungen zu meiden sind. Oft laufen solche Unterführungen nicht nur in Minuten-, sondern in Sekundenschnelle voll und werden zur gefährlichen Falle.

Überflutete Straßen sollten, wenn überhaupt, mit größter Vorsicht durchfahren werden, rät die Polizei. Hier warten unsichtbare Fallen durch ausgehobene Kanaldeckel. Vor allem aber für Fußgänger werden solche offenen Gullyabgänge zu Gefahrenstellen, weshalb dringend geraten wird, solche überschwemmten Bereiche zu Fuß nicht zu betreten.

gt/sp/tw

© Gmünder Anzeiger 12.06.2018 16:04
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