Aus Enkeln werden Anwälte

Polizei warnt vor neuen Abzock-Methoden der Telefonbetrüger
  • Beim Enkeltrick suchen die Betrüger oft gezielt nach den Ersparnissen von Senioren – aber treffen kann es jeden. Foto: tw

Die Telefonabzocke wird immer abwechslungsreicher. Nach Enkeln, Nichten und Neffen ist nun eine neue Masche am Start. Derzeit sind verschiedene angebliche Anwälte, Notariate aber auch vermeintliche Behörden telefonisch unterwegs und versuchen, die Menschen im Kreis um ihr Geld zu bringen.

Ostalbkreis. Die Gutgläubigkeit und Hilfsbereitschaft von Senioren nützen dreiste Betrüger schon seit Jahren aus und erbeuten dadurch oftmals zehntausende Euro von den Opfern. Vor allem der sogenannte Enkeltrick ist dabei sehr beliebt. Bei diesen Betrugsmaschen gehe es vor allem darum, Senioren um ihr Erspartes zu bringen, sagte Reiner Möller von Aalener Polizeipräsidium auf dem Sicherheitsforum im Juni. Dabei suchen sich Betrüger ihre Opfer gezielt aus Telefonbüchern oder überprüfen Todesanzeigen in der Zeitung.

Leichte Beute

Senioren seien dabei leichte Beute. Man gebe sich als ferner Verwandter aus, der leider nicht zur Beerdigung auftauchen konnte und erschleiche sich das Vertrauen, um dann mit einer erfundenen Notlage eine Bargeldsumme zu bekommen. Die Experten bei Veranstaltungen wie dem Sicherheitsforum raten, bei solchen Anrufen immer misstrauisch zu sein, wenn sich am Telefon jemand als Verwandter oder Bekannter ausgebe. Man müsse immer hinterfragen oder Verwandte zu Rate ziehen, betonen die Experten. Die aktuellen Zahlen der gemeldeten Fälle zeigen, dass die Präventionsarbeit durch Polizei und Presse sich bewährt haben. Im Ostalbkreis seien im vergangenen Jahr nur sieben Fälle gemeldet worden. 2015 waren es noch 63.

Neue Maschen

Aber der inzwischen Recht bekannte „Enkeltrick“ ist schon lange nicht mehr die einzige Masche, mit der die Betrüger arbeiten. Aber eingesetzt wird die Masche noch immer. In Waiblingen wurde in den letzten Tagen 26.000 Euro von den Telefongaunern abgezockt. Auch als Polizisten geben sich die Kriminellen schon aus. Durch spezielle Technik täuschen Betrüger am Telefondisplay die Nummer der Polizei vor, um sich als Polizisten auszugeben. „Es ist eine üble Art und Weise, die Rolle der Polizei zu missbrauchen“, sagte Experte Möller. Als Tipp vor solchen Anrufen gaben die Experten, den Hörer aufzulegen. Und sich danach bei der örtlichen Polizei zu melden. Die Polizei rufe nie unter der Nummer 110 an.

Auch die Namen von anderen Behörden werden von den Betrügern missbraucht. In der vergangenen Woche erhielten Menschen im Ostalbkreis merkwürdige Anrufe. Die Anrufer gaben sich als Mitarbeiter des Jobcenters Schwäbisch Gmünd aus und behaupteten, dass ein bestimmter Geldbetrag auf ein Konto zu überweisen sei, sonst erhalte man keine Leistungen mehr. Bei diesen Anrufern handelte es sich nicht um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landkreisverwaltung, stellt die Behörde ausdrücklich fest. Der Polizei waren betrügerische Anrufe dieser Art bisher nicht bekannt, der Trick mit dem Jobcenter ist wohl neu.

Und die Ideen, wer denn anruft, gehen den Betrügern auch weiterhin nicht aus. Verschiedene Bürger im Rems-Murr-Kreis wurden von einem angeblichen Notariat angerufen. Die Masche ist laut Polizei immer dieselbe: den Angerufenen wird suggeriert, sie seien die glücklichen Gewinner eines Gewinnspiels. Um den Gewinn abrufen zu können, müssten sie lediglich noch eine Sicherheitsleistung hinterlegen.

Auch im Ostalbkreis kam es aktuell wieder zu solchen Anrufen. Ein argloses Opfer folgte dabei der Aufforderung der Anrufer und ließ diesen die geforderte Gegenleistung zukommen, natürlich ohne ein Gewinn zu erhalten, so die Polizei. Die Betrugsmasche, welche mit den falschen Gewinnversprechen operiert, wird laut Informationen der Polizei aktuell mit der Vorwahl 089 für München ausgeführt. Es sei jedoch nicht auszuschließen, dass die Betrüger sich anderer Nummern bedienen.

Bandansagen über falsche Pfändung

Im Landkreis Schwäbisch Hall agieren die Telefonbetrüger mit einer abgewandelten Masche, erfährt man von der Polizei. Unter einer Stuttgarter Nummer mit 0711-Vorwahl wurden dort in den letzten Tagen Bürgerinnen und Bürger mittels Bandansage darüber informiert, dass ihnen seitens der Justizbehörden oder der Polizei eine Pfändung ins Haus stehen würde. Damit sie diese abwenden können, wurde den Betrugsopfern die Möglichkeit einer außergerichtlichen Einigung angeboten. Glücklicherweise gingen die angerufenen Bürger im Landkreis Schwäbisch Hall laut Polizei bisher nicht darauf ein. Auch bei dieser Masche besteht die Gefahr, dass die Anrufer mit abweichenden Nummern ihre Machenschaften weiter fortführen.

Aufforderung Polizei: Bitte Infos teilen

Die Polizei weist daher in einer Pressemitteilung eindringlich darauf hin: Informieren Sie Ihre Angehörigen und Bekannten über diese Betrugsmaschen. Geben Sie keinerlei persönliche Daten an die Anrufer weiter und gehen Sie nicht auf deren Forderungen ein. Notieren Sie sich die Nummer des Anrufers, legen Sie auf und verständigen Sie die Polizei.

pm/tw

© Gmünder Anzeiger 07.08.2018 15:06
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