26 KSK-Filialen weniger im Kreis

Bank macht harten Schnitt und strukturiert neu
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Rund sechs Monate hat die Kreissparkasse Ostalb an einem neuen Filialkonzept gearbeitet, nun steht das Ergebnis fest: Die Bank wird im Ostalbkreis 26 Filialen schließen oder in eine Selbstbedienungs(SB)-Station umwandeln. Das gab der Vorstand um den Vorsitzenden Andreas Götz bekannt.

Ostalbkreis. Die neue Filialstruktur soll stufenweise realisiert werden. In einem ersten Schritt, zum 8. März 2019, schließt die Kreissparkasse 14 Filialen oder wandelt sie in einen SB-Standort um. Im zweiten folgen zwölf weitere Standorte im Ostalbkreis (siehe Tabelle). Einen genauen Zeitplan für die zweite Phase gibt es nicht. Götz hat einen Zeitraum bis 2024 angesetzt, in dem die Bank die neue Struktur umsetzen will. Teils seien noch Umbau- oder Neubauarbeiten nötig, um die Geschäfte in die anderen Standorte zu verlegen. Die Filialen in Mutlangen, Rehnenhof, Lindach und Großdeinbach sollen etwa an einem neuem Standort zusammengefasst werden. Wo, steht aber noch nicht fest.

Verändertes Kundenverhalten

Götz begründete die Filialschließungen unter anderem mit dem veränderten Kundenverhalten. Dieses habe sich in den vergangenen zehn Jahren massiv gewandelt. Die Sparkasse habe alle Filialen analysiert – mit teils drastischen Ergebnissen.

„Vor allem in Klein- oder Kleinstfilialen hat die Frequenz stark abgenommen“, sagt Götz Teilweise lägen die Werte um 90 Prozent unter jenen vor zehn Jahren. Ein Grund ist die fortschreitende Digitalisierung, viele Kunden regelten ihre Bankgeschäfte heute online. „Der durchschnittliche Kunde kommt ein bis zweimal jährlich in die Filiale – dann allerdings, um sich intensiv beraten zu lassen.“

Kampf um Geldautomaten

Einige Ortschaften verlieren neben der Filiale auch den Geldautomaten. Darunter ist auch der Standort in Neresheim-Elchingen. „Das ist gar nicht gut“, sagt Ortsvorsteher Nikolaus Rupp sichtlich verärgert. Es sei immer viel los und am Wochenende versorgen sich auch gern Jugendliche dort mit Bargeld, bevor sie losziehen. Er sieht die Kreissparkasse als öffentliche Einrichtung mit einem Versorgungsauftrag. „Da ist auch der Landrat in der Verantwortung“, sagt Rupp, der noch prüfen will, ob man nicht zumindest den Geldautomaten in dem 1600 Einwohner großen Ort erhalten könne.

„Ein solcher Einschnitt tut schon weh“, sagt Iggingens Bürgermeister Klemens Stöckle. Man kämpfe stets um die Entwicklung und Belebung des Ortskerns, erziele auch kleine Erfolge. Wenn dann so eine Einrichtung wegfalle, sei das ein Rückschlag. Auf der anderen Seite müsse man die sich verändernde Welt erkennen und akzeptieren, dass eine rückläufige Kundenfrequenz Folgen haben kann. In Iggingen bleibe immerhin ein Bankautomat erhalten. Und in den Nachbarorten sei die Kreissparkasse noch präsent. Leider könnten ältere Menschen ohne Auto, die aber gut zu Fuß sind, keine Filiale mehr erreichen.

Härter trifft es die Gemeinde Heuchlingen, dort ist keine Selbstbedienungseinrichtung vorgesehen. „Für uns ist das eine schlechte Sache“, betont Bürgermeister Peter Lang. Da bricht nicht nur die Beratung weg. Tröstlich für Heuchlingen sei es, „dass sich die Raiffeisenbank Rosenstein klar zum Standort bekennt und die Filiale weiter betreiben will“. Dort stehe auch ein Geldautomat. Wie weit er für die Kunden der Kreissparkasse kostengünstig zu nutzen sei, wisse man noch nicht.

„Der ältere Kundenkreis der Kreissparkasse hat eindeutig verloren“, sagt Peter Lang. Man könne sich aber dem Zeitgeist nicht widersetzen. Viele Kunden nutzten heute eben andere Möglichkeiten, ihre Bankgeschäfte zu erledigen.

Die KSK argumentiert, dass sich durch die Filialschließungen die Kosten senken. Die neue Filialstruktur folge allerdings nicht ausschließlich betriebswirtschaftlicher Logik. Nach dieser hätte die Kreissparkasse weitere rund zehn Filialen schließen müssen, erläuterte Götz. „Das tun wir bewusst nicht, weil wir uns unserer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind.“

Kein Stellenabbau

Die Lücken in der Versorgung will die Kreissparkasse mit einem ausgebauten Telefon-Service, mit mobilen Beratungs-Dienstleistungen, einem verbesserten Online-Banking sowie durch Kooperationen mit lokalen Händlern kompensieren. Bei diesen soll es möglich sein, bis zu 200 Euro abzuheben. Alternativ will das Institut seine Kunden per DHL mit Bargeld beliefern.

„Mit der neuen Struktur sind wir für die Zukunft sehr gut aufgestellt“, erklärte Götz. Er betonte, dass im Zuge der Standortschließungen keine Stellen gestrichen werden. Die betroffenen Mitarbeiter wechseln in die nächstgelegene Filiale. Aktuell beschäftigt das Institut rund 1000 Mitarbeiter, was rund 640 Vollzeitstellen entspricht. Deren Zahl werde aber sinken, so Götz – auch wegen der Digitalisierung. Mittelfristig visiert das Institut 600 Vollzeitstellen an – verzichtet aber auf Kündigungen.

gt

© Gmünder Anzeiger 31.10.2018 09:37
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