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Mit nützlichen Insektenhotels gegen Schottergärten
  • Der Nabu hat der SchwäPo ein fünf Sterne Insektenhotel aufgebaut. Fotos: sp
  • Schottergärten: Steine des Anstoßes.

Der Lebensraum für Insekten und Kleintiere wird in den Vorgärten der Siedlungen immer geringer. Die Nabu findet deutliche Worte gegen Schottergärten und Co. Aber auch die ersten Kommunen gehen gegen diesen Trend vor. Mit Insektenhotels kann jeder Gartenbesitzer seinen Beitrag zur Artenvielfalt leisten.


Ostalbkreis.
Pflegeleicht sind sie allemal – die Stein-, Kies- und Schottergärten. Ob sie schön sind, mag im Auge des Betrachters liegen. Aber im Sinne der Artenvielfalt und des Naturschutzes sind sie nicht. Das erfährt man von Seiten des Naturschutzbundes. Und da findet man deutliche Worte für die Steinwüsten. Der Aalener Reinhard Bretzger, seit 48 Jahren im Naturschutzverband Nabu engagiert, kritisiert Haus- und Gartenbesitzer, die Insekten den Lebensraum wegnehmen. Und er kritisiert Kommunen, die in Neubaugebieten auf entsprechende Vorgaben verzichten.

Keine Blüte in der Wüste

Ein Gräuel ist Bretzger die Modeerscheinung Schottergarten. „Das ist unverantwortlich“, sagt er. Diese Steinwüsten ließen nichts blühen, nicht einmal der Wasseraustausch funktioniere dort noch. „Wir verbrauchen täglich Unmengen von Grund für neue Häuser, Gewerbebauten und Straßen“, dann sollten vorhandene freie Flächen nicht auch noch unnötig versiegelt werden. Es grenze an Dummheit, das mit der Pflegeleichtigkeit zu begründen. „Ich habe solche Hausbesitzer beobachtet, wie sie im Herbst angewehtes Laub aus dem Schotter holen, keine leichte Arbeit.“

Diese Form der Gartengestaltung dulden inzwischen nicht mehr alle Kommunen. Heilbronn zum Beispiel: Dort wurden erstmals im Bebauungsplan für den neuen Stadtteil Neckarbogen „lose Material- und Steinschüttungen“ verboten. Die Stadt will, wo es rechtlich möglich ist, das auch in Zukunft in den Bebauungsplänen festschreiben. Und der Landesnaturschutzverband fordert, „die geltende Landesbauordnung konsequent umzusetzen und Schottergärten nicht länger zu tolerieren“. „Wir haben das in unsere Bebauungspläne bereits eingefügt“, sagt Gerhard Hackner, Leiter des Amts für Stadtentwicklung in Schwäbisch Gmünd. Unbebaute Flächen seien abgesehen von den Wegen zu begrünen und wasserdurchlässig zu halten, heißt es dort. In der Stadtverwaltung Aalen wird das Thema Schottergärten diskutiert, sagt Pressesprecherin Karin Haisch. „Wir haben noch keine Beschlüsse dazu gefasst“, betont sie weiter.

Grün im Garten lassen

Das Grün im Garten lassen, darauf setzen auch die Imker. Frank Stühle vom Bezirksbienenzüchterverein Schwäbisch Gmünd schult derzeit in einem Kurs an der Volkshochschule künftige Imker und betont: „Hausgärten werden für die Bienen immer wichtiger“. Durch häufiges Mähen finde sich inzwischen im Rasen kaum noch eine Blume. Reinhard Bretzger geht einen Schritt weiter, empfiehlt Gartenbesitzern, nur noch zwei Mal im Sommer zu mähen. „Natürlich können Wege im Gras niedrig gehalten werden, aber ein Großteil des Rasens sollte eben ausblühen.“ Wenn erst einmal Wiesenschaumkraut, Margeriten, Schafsgarbe und Rotklee zurückkehren, sei schon viel gewonnen. Dann lasse sich auch der Aurorafalter wieder sehen, mit seinen farbigen Flügelenden. Und die Wiesenameise ist wieder da, die, so der Naturexperte, vor allem für die Aufzucht der Grünspechte wichtig sei.

Auch Thujahecke und Koniferen bieten keinen Rückzugsraum für Insekten, aber Holunder, Schneeball, Liguster schon. Wer an manche Ecken im Garten nicht eingreift, leistet laut Nabu auch einen positiven Beitrag: Im Umfeld von Laub und abgestorbenen Ästen entstehe ein tolles Umfeld für Insekten, aber auch ein Rückzugsgebiet für den Igel.

Aktiver Einsatz: Insektenhotels

Aber man kann auch ganz aktiv einen hilfreichen Lebensraum für Insekten gestalten. Die sogenannten Insektenhotels bieten unterschiedliche Rückzugsmöglichkeiten für Käfer, Bienen und andere Kleinstlebewesen. Die Schwäbische Post geht hier mit gutem Beispiel voran und hat eine Luxusversion vor Ort aufgestellt durch die Unterstützung des Nabu: „Unsere Insektenhotels helfen, die Artenvielfalt zu erhalten.“ Immer mehr Gärten werden der Bequemlichkeit halber unter Steinen und Platten versiegelt. „Das ist Gift für die Insekten“, sagen die Naturfreunde, „solche Häuschen sollte es viel mehr geben. Da kann jeder was tun!“Wer so ein großes Hotel selber bauen möchte, muss rund 500 Euro in Material und etwas Zeit investieren. Kleine Insektenhotels sind schon für wenige Euros zu haben. Machen Sie mit!
kust/tw

Infos für den Bau eines Bienenhauses gibt’s über diese Mailadresse:

nabu-aalen@web.de

© Gmünder Anzeiger 09.04.2019 15:11
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