Vier Irrtümer zur Impfung

Wieso man sich jährlich gegen Influenza schützen sollte
  • Ein Pieks für die Gesundheit. Foto: pixabay

Mit dem Herbst startet die Grippezeit. Wie die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) berichtet, sind die Monate Oktober und November ideal für eine Impfung. Doch die Impfquoten bei Grippe sinken seit Jahren deutschlandweit. Ein Apotheker klärt auf.


Ostalbkreis.
Bei Risikogruppen wie älteren Menschen sind die Impfzahlen viel zu niedrig. Ließ sich im Jahr 2008 geschätzt noch etwa jeder dritte Bundesbürger impfen, war es 2018 lediglich jeder fünfte. Und das, obwohl Grippeviren laut KKH schwere Erkrankungen wie eine Lungenentzündung auslösen und im Extremfall sogar tödlich enden können. „Die Impfung bietet den besten Schutz gegen eine Grippe“, sagt Apotheker Sven Seißelberg von der KKH Kaufmännische Krankenkasse.

Anders als ein grippaler Infekt setze eine Grippe schlagartig ein mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Kopf-, Rücken- und Gliederschmerzen. Warum sich viele nicht gegen Grippe impfen lassen, hänge oftmals mit einigen Irrtümern zusammen, die sich hartnäckig halten.

Irrtum Nr. 1: Eine Impfung gegen Grippe reicht alle paar Jahre

Weit verbreitet ist die Annahme, gegen Grippeviren müsse man sich nicht jedes Jahr impfen lassen. Doch das ist falsch, so Seißelberg. „Die Virenstämme verändern sich ständig. Daher wird jedes Jahr ein neuer Grippeimpfstoff entwickelt. Eine jährliche Auffrischung ist daher wichtig.“

Irrtum Nr. 2: Eine Influenzaimpfung kann eine Grippe auslösen
Stimmt nicht. „Bei der Impfung werden Bruchstücke abgetöteter Influenzaviren gespritzt. Gegen sie baut das Immunsystem Antikörper auf“, erklärt Seißelberg. „Allein können sie keine Erkrankung auslösen.“ Manche Menschen reagieren auf die Impfung mit Erkältungssymptomen wie leichtem Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen, die nach zwei, drei Tagen wieder abklingen. In der Regel ist die Impfung gegen Influenza gut verträglich. Auch auftretende Rötungen an der Einstichstelle und leichte Schmerzen im Arm vergehen rasch. Auf keinen Fall verursacht die Impfung eine Grippe. Tritt eine Grippe kurz nach der Impfung auf, muss man sich die Erreger vorher irgendwo eingefangen haben.

Irrtum Nr. 3: Für eine Grippeschutzimpfung ist es eh zu spät
Keine Frage: Ideal ist es, sich im Herbst gegen die Grippe impfen zu lassen. So hat der Körper vor dem Beginn der Grippesaison ausreichend Zeit, einen vollständigen Schutz gegen die Influenzaviren zu entwickeln. Dafür benötigt er zehn bis 14 Tage. Aber auch zum Start und während einer Grippewelle kann eine Impfung lohnen. Laut Robert Koch-Institut begann die Grippewelle in den vergangenen Jahren im Januar und dauerte drei bis vier Monate. Mitunter folgt auf eine erste noch eine zweite Grippewelle. „Auch eine späte Impfung kann also sinnvoll sein“, sagt Sven Seißelberg.

Irrtum Nr. 4: Ich bin zu jung für eine Grippeimpfung
Vor allem die Generation 60 plus sollte sich gegen Grippe impfen lassen. Doch es gibt weitere Risikogruppen. Dazu zählen Kinder mit Vorerkrankungen, Schwangere und Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Asthma, Diabetes oder einer Herzerkrankung – unabhängig vom Alter. Bei ihnen kann es ohne Impfung zu schweren Verlaufsformen der Grippe kommen. Auch wer in der Vergangenheit häufiger an einer Grippe erkrankt ist, sollte sich impfen lassen, ebenso Menschen, die viel Kontakt zu anderen haben wie medizinisches Personal oder Lehrer.

Wissenswert: Welche Virenstämme in einem Grippeimpfstoff für die kommende Wintersaison enthalten sein sollen, legt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fest. Die Produktion ist aufwendig und dauert rund ein halbes Jahr. Da sich Grippeviren schnell verändern können, besteht daher zwar der bestmögliche, aber kein 100-prozentiger Schutz. sp/gt

© Gmünder Anzeiger 29.10.2019 15:09
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