Sturmtief „Sabine” wütet

Orkanböen und Gewitter auch im Ostalbkreis
  • Straßen mussten vorübergehend gesperrt werden.Foto: Tom

Sturm Sabine hat ordentlich in Deutschland gewütet. Und dabei wurde auch der Ostalbkreis nicht verschont, obwohl es zum Glück keine ernsthaft Verletzten in der Region gab.

Ostalbkreis. Sturmtief Sabine hat vor allem in der Nacht auf Montag kräftig gewütet, doch der Gmünder Raum ist glimpflich davongekommen, wie Feuerwehr und Polizei am Montagabend berichten.

Rettungskräfte und Stadt: Rund 130 Notrufe gingen in der Nacht ab 2 bis gegen 8 Uhr beim Führungs- und Lagezentrum ein, berichtet die Polizei. Mehrere Autos wurden durch umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste beschädigt, manche Straßen waren durch quer liegende Bäume oder Äste blockiert: unter anderem zwischen Eschach und Göggingen, bei Alfdorf-Bonholz, zwischen Lindach und Mutlangen oder zwischen Wetzgau und dem Haselbachtal. Der Gmünder Krisenstab aus Vertretern der Feuerwehr, Polizei, Stadtverwaltung samt Stadtspitze habe entschieden, die Straße zwischen Schwäbisch Gmünd und Großdeinbach ab 6 Uhr und bis nach der Mittagszeit vorsorglich zu sperren, berichtet Gmünds Feuerwehrkommandant Uwe Schubert. Eine gute Entscheidung, bilanziert er am Montagnachmittag: Dort am Waldrand stürzten ein Baum und mehrere Äste auf die Straße. Feuerwehrleute und Mitarbeiter des Baubetriebsamts kümmerten sich um die Aufräumarbeiten, sicherten unter anderem auch Bauzäune und entfernten mit der Drehleiter lose Blechverkleidungen an Dächern, die hinabzustürzen drohten. Daher war die B-29-Auffahrt gegen 11.30 Uhr für eine Viertelstunde gesperrt.

Insgesamt zählte die Gmünder Feuerwehr, die mit rund 50 Kräften aus mehreren Abteilungen im Einsatz war, bis zum Abend 13 Einsätze wegen des Sturms, berichtet der Kommandant. Auch die Mitarbeiter des Baubetriebsamts waren unentwegt mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Aus Sicherheitsgründen sperrte die Stadtverwaltung die Grabenallee und den Zeiselberg am Montag für Fußgänger. Die Eisbahn auf dem oberen Marktplatz blieb geschlossen.

Forst: An mehreren Stellen sind einzelne Bäume im Wald dem Sturmtief Sabine zum Opfer gefallen, doch die Schäden sind nicht so flächenmäßig wie etwa bei Sturm Lothar 1999, zieht Jens-Olaf Weiher, Leiter der Forstaußenstelle Schwäbisch Gmünd, eine erste Bilanz. Sobald das Sturmtief nachlässt, machen sich Forstmitarbeiter auf zu Kontrollgängen auf Waldwegen. Jens-Olaf Weiher rät Spaziergängern und Joggern, noch ein paar Tage zu warten, bis sie wieder durch die Wälder streifen. Während Vertreter des Forsts versuchen, die Wege so schnell wie möglich frei zu räumen, stehen die großen Kontrollgänge in den Wäldern selbst erst im März oder April an, wenn die Saison der Winterstürme vorbei ist.

Schulen/ Kindergärten: An regulären Unterricht war an vielen Schulen im Gmünder Raum nicht zu denken. Bei den älteren Schülern fehlten rund 80 Prozent, schätzt Klaus Dengler, geschäftsführender Rektor der Gmünder Grund-, Haupt- und Realschulen und Leiter der Schillerrealschule im Verbund. Das Kultusministerium Stuttgart hatte es den Eltern freigestellt, ob sie ihre Kinder in die Schule schickten oder nicht. In einer Pressemitteilung hieß es: Eltern können entscheiden, ob der Schulweg für ihre Kinder zumutbar ist. Falls der Weg zur Schule aufgrund extremer Wetterlagen vor Ort nicht zumutbar ist, können Eltern ihr Kind vom Unterricht befreien lassen. Die Schule ist in diesem Fall zu informieren.

An der Pädagogischen Hochschule in Gmünd habe die vorlesungsfreie Zeit bereits begonnen, sagt Kathrin Klar von der Presseabteilung. Die Prüfungswoche sei beendet. Eine Prüfung, die am Montag hätte ablaufen sollen, wurde verschoben und wird diese Woche nachgeholt. An diesem Dienstag soll der Unterricht an allen Schulen wieder regulär laufen.

Die Hochschule Aalen informierte am Sonntag auf ihrer Internetseite, dass alle Prüfungen am Montag ausfallen. „Voraussichtlich werden die meisten der 48 ausgefallenen Prüfungen in der nächsten Woche nachgeholt“, sagt Pressesprecherin Viktoria Kesper.

Versicherung: Ab Windstärke acht und einer Windgeschwindigkeit ab 62 Stundenkilometern haften Gebäude-, Hausrat- und Kaskoversicherungen laut Verbraucherzentrale für Sturmschäden. Wurden Gartenstühle oder anderer Hausrat beschädigt, ist dies durch die Hausratversicherung nur abgedeckt, wenn die Sachen während der Böen in einem Gebäude untergebracht waren und dennoch beschädigt wurden. Stürzt ein Baum wegen des Sturms auf ein Fahrzeug, zahlt laut Verbraucherzentrale die Teilkaskoversicherung für den Schaden. Ist ein gesunder Baum umgefallen, gilt dies als höhere Gewalt, sodass der Eigentümer nicht für den Schaden haftet.

Bahnverkehr: Go ahead hat den Zugverkehr zwischen Stuttgart und Aalen am Montag bis etwa 12 Uhr komplett eingestellt. Am Vormittag gab es Erkundungsfahrten, um die Bahnstrecke nach Schäden abzusuchen. Der Interregio-Express IRE 1 von Stuttgart nach Aalen fuhr ab der Mittagszeit wieder. Die Regionalbahnen RB 13 und 16 folgten am Nachmittag. „Die Züge fahren wieder nach regulärem Fahrplan“, konnte Go-Ahead-Sprecher Erik Bethkenhagen gegen 16 Uhr melden.

GOA: Vertreter der Gesellschaft im Ostalbkreis für Abfallbewirtschaftung entschieden, am Montag aus Sicherheitsgründen die Abfuhren von Restmüll, Bioabfällen, gelben Säcken und Altpapier entfallen zu lassen, wie Pressesprecherin Amanda Hausmann berichtet. Die Gefährdung für Mitarbeiter und Bürger durch umherwehende Abfuhrgefäße wäre zu hoch. Die Abfuhren werden bis inklusive Samstag um einen Tag verzögert nachgeholt. gt/tw

© Gmünder Anzeiger 11.02.2020 15:19
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